Programme starten im Schnellverfahren
Kategorie: Artikel, Software – Dienstag, 10. Oktober 2006, 18:58
Wer kennt das nicht: In tief verschachtelten Unterordnern des Startmenüs, fein säuberlich nach dem oft wenig bekannten Herstellernamen gegliedert, ungefähr sortiert nach der Reihenfolge der Installation, mitten inzwischen Dokumentationen und Hilfen, Web-Links und – ganz wichtig – Deinstallationsprogrammen, dort befinden sich ganz klein und unscheinbar die Symbole der Programme, die man tatsächlich verwenden möchte. Das ist natürlich reichlich unübersichtlich, nicht selten öffnen sich dabei Untermenüs nach links und rechts, oben und unten, man muss sogar innerhalb der Menüs das Blättern anfangen. Ordnungssuchende Menschen schieben ein Anwendungssymbol gleich nach der Installation in thematisch gruppierte Ordner und löschen den ganzen anderen Kram, den man sowieso nie verwendet. Das ist jedoch aufwändig und bedarf ständiger Kontrolle nach Programmaktualisierungen sowie eines gewissen Durchhaltevermögens. Und so werden sich auch weiterhin Tausende Anwender Tag für Tag durch viel zu lange Listen quälen. Doch, wer hätte es gedacht, die Rettung ist nah!
Seit einiger Zeit sind bereits Programme wie die Google-Desktopsuche verfügbar, die per Hotkey ein kleines Fenster öffnen, in das man Teile des Namens des Gesuchten eintippt, um gleich die passenden Ergebnisse angezeigt zu bekommen. Das umfasst in diesem Fall sogar Dokumente und sonstiges Allerlei, das sich auf der Festplatte so findet. Mac OS X enthält eine solche Funktion, „Spotlight“ genannt, ab Version 10.4 bereits ab Werk. Nach Microsoft-Manier wird man diese Funktionalität auch in Windows Vista wiederfinden, ins Startmenü integriert, gemeinsam mit dem bisherigen „Ausführen“-Dialog.
Wo wir gerade bei Mac OS X sind: Hier gibt es eine interessante Alternative dazu, die speziell für das Starten von Programmen gedacht ist. Das Programm nennt sich „Quicksilver“: Man drückt einen Hotkey, worauf ein kleines Fenster erscheint, in das man Teile des gewünschten Programmnamens eintippt – soweit kennen wir das jetzt ja schon. In dieser Liste tauchen allerdings nur Programme auf, keine anderen Dateien. Die Suche läuft dazu noch ein Stück schneller als bei der Google-Lösung und der Top-Treffer wird mit einem großen Programmsymbol dargestellt. Hat man genug vom Namen eingetippt und erscheint das gewünschte Symbol, drückt man die Eingabetaste und los geht’s. Gibt es noch mehrere mögliche Suchtreffer, werden sie in einer Liste unter der Sucheingabe angezeigt und man kann eins aussuchen. Bei der nächsten Suche wird dieses selbstverständlich bevorzugt gefunden. Das ganze funktioniert so schnell, zuverlässig und dabei noch ästhetisch ansprechend, dass ich ganz davon abgekommen bin, Programme im Finder (der Explorer des Mac) zu suchen oder auf Dock-Symbolen rumzuklicken. Die kleine zweite Enter-Taste neben der Leertaste bietet sich ideal als Hotkey an – Gott weiß wofür die sonst nützlich gewesen wäre. Vielleicht hat Apple sie genau für diesen Zweck eingebaut?
Nun bin ich aber gerade dabei, mein PowerBook zu verkaufen und durch ein neues Windows-betriebenes Notebook zu ersetzen, und dabei fällt der Abschied von solchen liebgewonnenen Anwendungen immer besonders schwer. Nach einem halben Tag Entwicklungszeit an einer Windows-Version habe ich nach all der Mühe und den gesammelten Problemen mit großer Freude den Hinweis auf der Quicksilver-Webseite gefunden, dass es auch für Windows eine gute Alternative gibt. Das gute Stück nennt sich „Launchy“, entwickelt von Josh Karlin, und wie er mir mitteilte, ursprünglich aus dem bekannten Grund: Es musste ein Quicksilver für Windows her. Zugegeben, ein merklich schmuckloserer Name als der der Mac-Version, und auch das Äußere des Suchfensters wirkt nicht ganz so stilvoll wie das des Originals (das ist aber normal und in diesem Fall hat der Autor immer noch erstaunliche Arbeit geleistet). Aber die eigentliche Funktion, das Starten von Programmen, ist genauso gut umgesetzt und hat mich von Anfang an überzeugt. So habe ich mich sofort sehr gut mit dem neuen Begleiter zurecht gefunden und konnte zusehends meine vom Mac gewohnte Arbeitsweise fortsetzen. Ein paar Modifikationen waren noch nötig, so konnte ich meinen gewünschten Hotkey, die CapsLock-Taste, nicht nutzen und die Suchergebnisse entsprachen nicht ganz meinen Vorstellungen. Launchy ist diesbezüglich aber ein vorbildliches Open-Source-Projekt: Der Quelltext, ein Visual C++ 2003-Projekt, ließ sich nahezu fehlerfrei übersetzen, und so konnte ich gleich anfangen, die relevanten Code-Zeilen zu suchen. Einen halben Tag und 8 Patches später war ich dann noch glücklicher als zuvor, wegen den erfolgreichen Programmänderungen und dem neuen Helferlein.
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Das Suchfenster auf meinem Desktop in Aktion. (Das Bild wird verzögert optimiert.)
Ich habe Josh die Änderungen zugeschickt, mal schauen, welche es in die offizielle Version schaffen. Aber in jedem Fall kann ich das Programm nur empfehlen. Installier es einfach mal und finde selbst heraus, wie schnell man Programme starten kann.


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